Walter Menni Bachauer

Chimonas Lesvos, Allgäuer Zeitung vom 19. November 2020, Text Harald Holstein

 

Walter Bachauer kennt die Insel Lesbos sehr gut.Der Autor, der auch Künstler und Galerist, Liedermacher und Musiker sowie als Kulturveranstalter bekannt ist, hat sie zum Schauplatz seines zweiten Romans "Chimonas Lesvos - Schnee auf dem Olymp" gemacht. Sogleich fällt einem das berühmt-berüchtigte Flüchtlingslager Moria ein. Zunächst wollte der Autor aus dem Ostallgäuer Weiler Webams (bei Eggenthal) nur eine Drogengeschichte erzählen, als er 2018 mit dem Schreiben begann. Dann aber nahm er das heillos überfüllte Camp, das Anfang Septrember fast vollständig abbrannte, in den Horizont seiner Erzählung mit hinein. Herausgekommen ist eine aufregende und temporeiche Geschichte Um den Libyer Masud, die bis zum Schluß fesselt.

Es ist Winter (griechisch: Chimonas) auf Lesbos, eine ziemlich eisige und abweisende Jahreszeit trotz der südlichen Gefilde. Auch die Geschichte selbst ist nicht gerade gemütlich.Ungeschminkt und einfühlsam schildert sie eine harte Wirklichkeit, in der es zur Sache geht. Trotz einiger menschlich dunkler Abgründe packt der 200-seitige Roman mit Handlungsreichtum und charakterstarken Figuren.

Der junge Masud aus Libyen gerät auf dem Weg ins verheißungsvolle Europa aus Geldmangel auf die schiefe Bahn. Nach ersten Erfolgen als Schlepper träumt er vom großen Geld. Als jedoch sein Boot kentert und er selbst im Flüchtlingscamp auf Lesbos landet,wird er Kurier für einen griechischen Drogenring. Selbst abhängig geworden, bestiehlt er seinen Boss und zieht seine griechische Freundin Alexia immer tiefer in den Drogensumpf hinein.

Es gibt aber auch Lichtblicke in dem knapp 200 Seiten starken, temporeichen und flüssig zu lesenden Roman: Alexia überwindet ihre Sucht, und der Deutsche Kris Pergmann geht eine Beziehung mit der traumatisierten, aber starken Rettungssanitäterin Melina ein. Mit ihrer Unerschrockenheit und Aufrichtigkeit ist sie die beeindruckenste Figur des Romans. Fast beiläufig macht Walter Bachauer Zustände und Hierarchien im Flüchtlingslager sichtbar. Anregungen und unmittelbare Einblicke für seine genauen und atmosphärisch dichten Beschreibungen des griechischen Camps holte er sich aus Recherchen und den "Files from Moria", in denen Flüchtlinge mit Handyvideos direkt aus dem Lager über ihre Situation berichteten. Seine wenig schillernde, vor allem unter Dtrogeneinfluß überdrehte Fugur Masud ist die zwiespältigste des Romans. Mit der aggressiven Charakterisierung Vorurteile über Flüchtlinge zu bedienen, befürchtet Walter Bachauer aber nicht. "Ich sehe ihn als Einzelschicksal und wollte ihm mit dem Ende des Romans eine neue Chance geben", sagt er. Durch eine wundersame, aber glaubwürdige Wendung seiner Geschichte, die hier nicht verraten sei, gelingt dem Autor ein offener Schluß, der nach einer Fortsetzung ruft.

Walter Bachauer, den viele unter dem Spitznamen "Menni" kennen, war lange Zeit auf mehreren Feldern von Kunst und Kultur tätig und veröffentlichte Bühnenprogramme und CDs mit eigenen Texten. In den letzten Jahren habe er das Schreiben an die erste Stelle gesetzt, erzählt der 63-jährige. "Ich bin wieder zu meinen Wurzeln zurückgekehrt. Wenn ich am Tag nicht mindestens zehn Minuten oder eine Stunde schreibe, bin ich nicht glücklich." In diesem Jahr hat Bachauer schon drei Bücher (bei Books on Demand) herausgebracht: seinen ersten Roman mit dem Titel "Jasmin und Chickenwings", dann einen Kurzgeschichtenband mit dem Titel "Park & Write" und jetzt den Roman, dser in Griechenland spielt.