Menni Bachauer

 Bei Amazon gibt es ab jetzt( August 2017) mein erstes Buch! Als ebook oder auch als Taschenbuch. Es heißt "Gemischte Geschichten und echte Gefühle". Wenn ihr es gekauft und gelesen habt, bitte unbedingt bewerten!! Ist wichtig bei amazon für den weiteren Erfolg des Buches...

Auf dieser Seite gibt es Geschichten, Gedichte und sonstige lyrische Erzeugnisse aus Mennis Schreibwerkstatt...

Ausserdem gibt es Mennis (USB) Lese-Stick. Er ist gut gefüllt mit Geschichten, Essays, Gedichten, Liedtexten etc. und kann für den Fast-Unkostenbeirag von 7,50 Euro bei mir erworben werden. Man kann sich da die Texte ausdrucken lassen, oder sie aufs Tablet kopieren, wie man möchte. Und wenn einem gar nix gefällt, löscht ihr eben alles, dann habt ihr zumindest noch einen 1 GB USB-Stick....

 Inhalt, Stand 2014

 Die frühen Texte der Ordner Gedichte 1975 - 79 sowie Stories und Texte 1975 - 78.

 Es handelt sich hier um alte Schreibmaschinen-Texte, ich habe sie im Original, also mit allen Korrekturen und Kaffeeflecken und den sehr originellen Signets, als PDF-Dokument lesetauglich eingescannt. Viel Spaß beim Lesen meiner schwerst-pubertären Jugend-Literatur!

 Bruno bläst ins Horn 1988 - 1990

 ein halb-biografischer Roman-Entwurf, abgetippt auf Schreibmaschine bei Kerzenlicht und Flaschenbier während eines vier-tägigen Stromausfalls infolge schwerer Schneebrüche im Winter 1990 hier in Webams. Auch als PDF-Dokument eingescannt.

 Die experimentellen Texte 1990 - 2010

- die reine Lust am Fabulieren! -

 Die Liedtexte 2007 - Heute, eine Auswahl

 Wiederholungen und Refrains, für die musikalische Umsetzung unerlässlich, habe ich hier für die literarische Form soweit als möglich weggelassen.

 Aktuelle Texte, 2011 – Heute

Kurzgeschichten, Essays, etc

 

 

 Zeit der Engel

 Das Hotel war eigentlich nicht ganz mein Stil. Es war sehr einfach, eher ein Hostal. Überwiegend junge Leute stiegen dort ab, junge Menschen, die ein freiwilliges soziales Jahr hier absolvierten. In den umliegenden Kliniken meistens. Es war so eine Art Zentrum für etwas, das sich "internationaler Bund" nannte, es gab da auch Schulungsräume und Informationstafeln, ich habe mich nicht näher damit beschäftigt, aber die ganze Atmosphäre des Hauses war jung. Es atmete Leichtigkeit, es roch nach Idealismus und Anfang, oft hörte ich Lachen und die scherzhaften Unterhaltungen draußen auf dem Gang vor meinem Zimmer. Das gefiel mir. Im Zimmer Nr 9 gab es einen Schimmelfleck hinter dem Bett, in der Nummer 10 hätte die Wand längst schon einen neuen Anstrich verdient gehabt. Der Fernseher war zu klein und auf dem nach oben gerichteten Leuchtteller der Stehlampe lagen lauter Leichen von Insekten, --- in beiden Zimmern. Trotzdem war es okay, die kleine Nasszelle mit WC war tipptopp, ohne Schimmel in den Ecken, keine Stockflecken auf dem Duschvorhang. Ein bisschen zu teuer, ja, ohne Frühstück, aber dafür hatte ich Zugang zu einer Gemeinschaftsküche mit abschließbarem Kühlschrankfach, gibt es auch nicht überall. Für mich war das Haus perfekt. Auf der Hofseite des Hotels, rechter Hand, in der hintersten Ecke neben den Garagen, begann ein steiler, dicht eingewachsener Weg hinauf zur Klinik. Durch das dunkelgrüne Blätterdach fiel kaum ein Lichtstrahl, sodass der Weg und die dazugehörigen Stufen fast immer nass und glitschig waren. Gerade beim Abstieg musste ich mich hüten, nicht auszurutschen und mir den Hals zu brechen. Anfangs brauchte ich beinahe fünfzehn Minuten für den Weg, ich war nicht fit, mein Herz raste, ich hustete und schnaufte wie ein alter Mann, als ich endlich oben ankam. Und doch wußte ich sofort, auch dieser Weg war perfekt für mich. Bald brauchte ich nur noch zehn Minuten hinauf zur Klinik, mein Schritt wurde stärker, mein Blick wacher. Im rhythmischen Wechsel lösten sich Stufen und Weg ab: eins, zwei, drei, vier, fünf Stufen, dann zehn Schritte Weg, wieder fünf, mal sechs Stufen, Weg. Immer bergauf. Abends, nach einem langen Besuchstag in der Klinik, ging ich hinunter in die Stadt, vorbei an meinem Hotel, nochmals zehn Minuten bergab, da gab es einen Thai - Imbiss, ich bestellte ein grosses Bier vom Fass und jedesmal das gleiche Gericht. Nummer 87, gebratenes Gemüse mit Pilzen und Reis. Danach stieg ich wieder hoch, wieder Treppen, schmale Wege, auch ein Stück Straße. Ein bisschen beschwingt, doch genauso konzentriert. Später ging ich auch mal in die Altstadt, in andere Lokale, ließ mich treiben. Ich bin kein Mensch, der gerne allein in ein Restaurant geht, normalerweise fühle ich mich da unwohl, ich ziehe die Anonymität eines Schnellimbiss vor, doch das änderte sich, je länger ich in dieser Stadt meine Kreise zog. Ich befand mich in einem emotionalen Ausnahmezustand, die täglichen Besuche in der Klinik, das Leid und die Unglaublichkeit eines Alltags auf der neurochirurgischen Station, dies alles hob mich heraus aus der Menge und schottete mich ab vor den Banalitäten des Normalen. Meine Anwesenheit hier an diesem Ort war von tiefer Achtsamkeit geprägt und glich einer nicht endenden Meditation. Ich wanderte durch die Straßen und über die Plätze der Stadt wie in Trance, bergauf, bergab,-- und mein ganzes Dasein war von Gedanken an Heilung bestimmt. Sobald ich mich außerhalb der Klinik befand, sprach ich mit kaum einem Menschen. Ich beschränkte meine Konversation auf das Nötigste, die Essensbestellung, die Formalitäten an der Rezeption des Hotels, sonst nichts. Schweigend drehte ich meine Runden und ließ mich auf die Atmosphäre des Außergewöhnlichen ein. Ich wurde immer aufmerksamer, meine Beobachtungen, meine kontemplativen Betrachtungen des Lebens um mich herum wurden nochmal intensiver. Und in der dritten Woche meiner Besuche bemerkte ich sie. Sie waren überall. Auf dem Klinikgelände, neben und auf den Gehwegen und Zufahrten zum Klinikum und im dichten Waldgürtel des Klinik - Berges sowieso: Unmengen von Amseln. Sie waren mir bisher nicht aufgefallen, zu sehr war ich abgelenkt von der Betriebsamkeit dieses Groß - Klinikums, von meinen eigenen, sorgenvollen Gedanken, als dass ich sie hätte bemerken können. Aber dafür fielen sie mir jetzt, nachdem ich endlich ihrer gewahr wurde, umso mehr auf. Auf allen Dächern, Firsten und Giebeln der Gebäude konnte ich sie sehen, auf jeder Fahnenstange, in jedem Busch, auf allen Baumwipfeln ließen sie sich nieder, sie bevölkerten das gesamte Gebiet um die Klinik. Ich hatte noch nie so viele Amseln an einem Ort versammelt gesehen wie hier. Spontan fand ich einen Namen für sie, ich nannte sie fortan die Trost - Amseln vom Klinik - Berg. Sie sangen immerzu, aber gegen Abend wurde der Gesang geradezu grandios. Tagsüber pfiffen und trällerten sie munter vor sich hin, doch das spezielle, von wunderschöner Melodik geprägte Abendlied der Amsel entfaltete sich erst in den Stunden der Dämmerung. Die verschiedenen Gebäude der Klinik standen so zueinander, dass sie mehrere große und hohe Innenräume bildeten, Kathedralen nicht ganz unähnlich. Dementsprechend war die Akustik und der Widerhall des vielfachen Amselgesangs Ehrfurcht gebietend. So oft ich abends vor Ort war, lauschte ich atemlos diesem Konzert von einzigartiger Schönheit, das so hoffnungsvoll und Trost spendend durch jede Fuge, durch jedes Fenster, durch jede noch so kleine Öffnung in dieses Haus der Leiden Einzug hielt. Letztendlich gab es für jenes wundersame Erlebnis nur eine Erklärung, es fiel mir wie Schuppen von den Augen:

Das mussten Engel sein.

Kleine schwarze Engel. ----

Sie hatten Flügel, sie sangen himmlisch und sie waren genau da,

wo sie gebraucht wurden.

 

 

 

 Wenn Zukunft droht….

 Wenn runzelige alte Leute leis, und ohne großen Fleiß, sinnlos wurschteln, weil eh´keiner weiß was wird,--- und wenn kalter Kaffee aus trüben Tassen ohne Lust genossen wird,--- wenn Zugluft tötet, und ein schlechter Spieler dort am regennassen Grabe maßlos flötet ---

Wenn graublau schwere Wolken droben dümpelnd schwachsinnig Regen speien, nicht bedenkend, wie schroff sie dabei eh´ schon karge Lebensabende nochmals dunkler machen.

Wenn, ja wenn Zukunft droht,--- mit Tod, mit Not,… oder doch nur mit dem nächsten lausig verbrachten, verkrachten Sonntagabend, wo schon im Dunst der hirnfickrich durchwachten Nacht ein trögerischer Montagmorgen dräut.

Zum Mörder könnt´ man werden an solchen, von breiig schlechten Gewissen getränkten Morgen!

Da ist´s egal, ob man jung im Safte steht oder greisig taternd seine Runden am Rollator dreht, wenn Zukunft droht, dann droht sie nach allen Seiten gleichermaßen…. Und wenn schon nicht den andern,--- mangels Mumm,--- möchte´ man wenigstens sich selbst sein Licht ausblasen.

Ach, wie soll man nur in Ruh und Frieden sich dem Altern nähern, wenn doch von überall her, von unt, von ob, von seit und,--- ganz gemein, von innen raus nur Ungemach und Unheil droht --- wenn Armut droht und Schweinegrippe gar, wenn Gewitter droht, der Pfarrer droht, wenn Schwangerschaft und Krieg uns droht,--- wenn, wenn, wenn --- wenn Drohung droht!

Welch wüstes Wort wurzte weltweit während Philosophen und Wirtschaftspolitiker verschiedenster Couleur die wahren Wege hin zum Glück uns allen zwingend vorzuschreiben suchten….

Ach, wie einfach wär´s, viele, nicht alle, aber doch sehr viele Ängste zu besiegen, gäb´s dies Wort „DROHEN“ nicht, hätt´ es dieses blöde Wort doch nie gegeben! Angst essen Seele auf, Mensch, das weiß man doch!

 Keiner könnte einem mehr mit irgendetwas drohen,--- und wenn´s auch bloß der Kachelmann wär, der uns wieder mal mit Schlechtwetter droht.

 

 

Rio

 In Südmalorika spielt one Juan Melodria.

So hurtig bedudelt sei Wife starts cooking with noodles.

“Yo quiero Gambas!”schreit Juan –

er will wohl was anders.

 „Don´t eat Scampi!“ – sei Wife cried back

and gets granti.

 Juan nimmt´s Melodria und zündelt es an.

Now Music is over, sei Wife zieht zrück nach Hannover.

 Juan bleibt daham bei Daddy and Mam

oder wie´s bei ihm heisst, bei Padre y Madre, ---

 dort isst er jetzt dreist Scampi pur ---

oder auch mal im Fladre,

 mit oder ohne Saladre.....

 

   

Ein Tag am See

Völlig gerädert stehen wir auf. Geschlafen haben wir so gut wie nicht. Die Alarmanlage an der Villa vom deutschen Diamantenhändler tut noch immer was sie will. Und am liebsten gibt sie eben Alarm, wiuwiuwiuwiu…,immer wieder, und das schon die ganze Nacht! Ich will der Sache auf den Grund gehen und ziehe los. Es regnet. Aber es ist auch heiß,---komische Sache. Wird das Wetter jetzt doch wieder schlecht? Bin einfach noch Deutschland-geschädigt. Warum dreht diese blöde Sirene so durch? Und regt sich denn sonst niemand drüber auf? Kann nicht sein. Vom Balkon eines etwas abseits stehenden Hauses blickt eine weißgewandete Frau herüber. Hohlwangig und mit tiefliegenden Augen. Ich erkenne rosa Plüschpuschen an ihren Füßen. Das Gewand ist wohl ihr Nachthemd. Es gibt also noch andere Opfer. Vor einer Wohnanlage treffe ich auf eine holländische Familie, die gerade das Gelände in einem nachtblauen Van verlässt. Fliehende Holländer…was fällt mir nur für ein Quatsch ein.  Sie wirken übernächtigt und gereizt. Auf meine Fragen antworten sie leise nuschelnd und wenig hilfreich. Sie verdächtigen das Anwesen eines italienischen Milliardärs als Verursacher des Daueralarms, wie das in der Folge auch weitere genervte Anwohner tun. Was sich jedoch bekanntlich als falsch herausstellen wird, ist es doch der Diamantenhändler, der Vermaledeite. Hat seine Anlage nicht im Griff. Die tut was sie will. Und er selbst ist nicht da. Oder taub. Klasse. Egal, zu dem Zeitpunkt weiß das Keiner. Ich bin wieder unterwegs, weitere Erkundigungen einholen, die Sirene heult und heult, immer drei Minuten lang, kurze Pause, dann wieder drei Minuten. Und so weiter. Wiuwiuwiuwiu… Zum Verrücktwerden. Bin kurz davor, Amok zu laufen. Meine Frau will abreisen. Aber ich gebe nicht auf. Treffe einen italienischen Nachbarn, wir besprechen das Problem; sein Hund mag keine Fahrräder, also beißt er mich in den Fuß. Bin ich denn ein Fahrrad? Signore Grisoldo ist bestürzt, doch ich beruhige ihn, nicht weiter schlimm, es blutet kaum. Treffe Signora Milva, sie ist wütend und sagt, sie ruft jetzt die Polizei. Endlich! Signora Milva wohnt ein Haus weiter unten am See und hatte mal was Schlaganfallähnliches. Deswegen muss sie Medikamente nehmen und deshalb spricht sie relativ langsam.--- Das passt zu meinem italienisch, wir verstehen uns gut.

Es ist jetzt 11 Uhr vormittags. Der nur ca. 400 Meter entfernte Freizeitpark GARDA-LAND nimmt seinen Betrieb auf. Menschen, Kinder wie Erwachsenen schreien,--- immer wenn die Achterbahn ihren Scheitelpunkt erreicht und dann in Tiefe fällt. 20 Mal pro Stunde? Ich weiß es nicht genau. Man gewöhnt sich tatsächlich daran und nachts um 22 Uhr, wenn der Park schließt, wundert man sich, warum es so still ist plötzlich. Bis auf die Zikaden und die Eulen, die ums Haus pfeifen. Aber die will ich ja hören, und dazu Rotwein trinken, jaaa….

Ich gehe runter zu dem Badesteg,--ja, wir haben hier wirklich einen eigenen Badesteg, wir, die Grisoldis und noch ein paar wenige Anwohner dieses Uferabschnitts. Es ist der schönste Platz am ganzen See --- garantiert! Im Schilfgürtel gibt es die Haubentaucher mit ihren Jungen und andere Wasservögel zum Beobachten, sogar kleine Wasserschlangen sind da,--- die tun aber nix, hauen ab, wenn man zu nahe kommt.

Eine Forelle treibt vorbei, ein bisschen lebt sie noch,--- sie hat eine große Fleischwunde am Rücken. Wahrscheinlich von einem der vielen Motorboote, die hier am Wochenende den See durchpflügen. Aber heute ist Montag…. Gott sei Dank. Endlich hat auch die Sirene aufgehört. Kann´s kaum glauben. Grazie, Milva!

Mein Fuß tut ein bisschen weh jetzt, muss wohl doch noch zur Apotheke. Ich stupse die Forelle vorsichtig mit dem Finger an, ganz schwach bewegt sie nochmal ihre Schwanzflosse –wie schön und elegant sie das selbst jetzt noch hinkriegt --- dann sinkt sie hinab und bleibt reglos am Grund liegen….  

Ciao Bella ---

Müde und erschöpft bin ich jetzt, und doch, ich bin gerne hier und möcht grad nirgendwo anders lieber sein als hier auf diesem alten hölzernen Steg am Ufer des Gardasees.

 

 

 

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